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Pressespiegel:
  Anlässlich des Erscheinens von
Samuel Becketts Hamburger Tagebuch 1936
»Alles kommt auf so viel an«
der Ausstellung »Beckett in Hamburg - 1936«
und des 30jährigen Bestehens des Raamin-Presse
berichteten folgende Zeitungen:

DER SPIEGEL, 22. 9. 2003
FAZ, 23. 9. 2003
DIE WELT, 23. 9. 2003
Neue Westfälische, 24. 9. 2003
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 1. 10. 2003
ART, 10 / 2003
HAMBURGER ABENDBLATT, 7. 10. 2003
STUTTGARTER ZEITUNG, 8. 10. 2003
RHEINISCHER MERKUR, 9. 10. 2003
NEUE ZÜRCHER , 23. 10. 2003
LE NOUVEL  OBSERVATEUR, 30. 10. 2003
DIE WELT, 19. 11. 2003
WELT AM SONNTAG, 23. 11. 2003
HAMBURGER ABENDBLATT, 25. 11. 2003
DIE ZEIT, 4. 12. 2003
HAMBURGER ABENDBLATT, 17. 12. 2003
WESER KURIER, 20. 12. 2003
THEATER DER ZEIT, 1 / 2004
HAMBURGER ABENDBLATT, 15. 1. 2004
(anlässlich James Knowlsons Besuch der Ausstellung)

Fernsehen:

ARD KULTURWELTSPIEGEL, 28. 9. 2003
NDR HAMBURG JOURNAL, 8. 10. 2003
NDR KULTUR-JOURNAL, 24. 11. 2003
BAYERISCHES FERNSEHEN, LESEZEICHEN, 18. 1. 2004

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Älteres: > Hamburger Abendblatt
> N ZZ,
> Gerhard Wolf,
 
 

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ddp Hamburg - Mit dem Monolog ”Ich will versuchen, Kupsch zu beschreiben” von Tankred Dorst wird nach Enzensbergers ”Ohne uns” der zweite Band einer Reihe von bis dahin unveröffentlichten Texten deutscher Autoren erscheinen, die von Roswitha Quadflieg herausgegeben, gestaltet und illustriert wird. Die Premiere des von Roswitha Quadflieg mit sieben mehrfarbigen Originalgrafiken illustrierten Buches, das in einer Auflage von 120 nummerierten und signierten Exemplaren zum Preis von 1400 Mark erscheint, findet heute ab 18 Uhr in Hamburg im Atelier von Till Verclas, Gaußstraße 176, statt. Um 20 Uhr ist eine szenische Lesung des Monologs (Hannes Hellmann) im Foyer der Studiobühne des Thalia Theaters in der Gaußstraße geplant. Wir sprachen mit der Initiatorin dieser außergewöhnlichen Kunstbuchreihe.

ABENDBLATT: Wie kamen Sie auf die Idee, unveröffentlichte Texte deutscher Autoren grafisch zu gestalten?

QUADFLIEG: Nach 25 Jahren Klassikern in von mir gestalteten Ausgaben stellte sich mir die Frage: Wie mache ich weiter? Ich wollte einen neuen Bezug herstellen, denn die Bibliophilie hat ja schon etwas von ,für alte Herren’. Jetzt wollte ich etwas machen, was heute entsteht, nicht nur meine Bilder heute, sondern: Was wird heute gedacht, und das als Herausforderung nehmen, darauf zu reagieren.

ABENDBLATT: Wie kamen Sie zu den Autoren, und wie eng ist die Zusammenarbeit mit ihnen?

QUADFLIEG: Meine Idee war, in die Moderne zu gehen und dort Erstausgaben zu bekommen, um die neue Reihe auch wirklich zu etwas zu machen, das es vorher nicht gegeben hat. Ich habe dann erst mal fünf Autoren angeschrieben, und Enzensberger hat innerhalb von vierzehn Tagen geantwortet und mir einen Text angeboten. Mit Dorst und seiner Frau Ursula Ehler habe ich in München ganze Nachmittage iiber den Text und die Gestaltung gesprochen.

ABENDBLATT: Hat die neue Reihe Ihre Arbeitsweise verändert?

QUADFLIEG: Hier ist es natürlich so, dass der Text mich inspiriert. Früher war das anders, da hatte ich ein bestimmtes Papier oder ein Format im Kopf und habe dann gesucht, wer eigentlich so schreibt. Jetzt aber ist es der Text und der Autor selbst.

ABENDBLATT: Der Monolog von Dorst problematisiert die Frage, wie das Böse in die Welt kommt. Wie haben Sie das grafisch umgesetzt?

QUADFLIEG: Zum Beispiel durch das ,Ausfallen’ der Bilder: Die Grafiken sind zum Ausklappen, und das ist, was auch bei Kupsch passiert: Das Böse in Kupsch wächst im Körper an und sprengt diesen dann. So sind auch diese Bilder, sie sprengen das Buchformat und springen heraus. Dann habe ich die Schrift rhythmisch auwachsend gesetzt, erst kleine Zeilen und dann immer größer werdend, dadurch wird es zwar schwerer lesbar, aber die Schrift hat das, was im Text passiert: Das Anwachsen visnalisiert sich auf jeder Seite.

ABENDBLATT: Was macht für Sie ein Buch zu einem Kunstwerk?

QUADFLIEG: Für mich ist ein Buch ein Zusammenspiel von Schrift, Bild, Material, Farben, was zusammen – wie bei einem Orchester – eine Harmonie ergibt. Das ist für mich das Primäre, dass alles zusammen einen Sinn ergibt: Ein schwarzes Lackleder für Kafka oder ein braunes stumpfes Papier für einen Beckett, das hat mit dem Inhalt zu tun. Und ein Buch ist ein Original, das man anfassen kann, ein sinuliches Erlebnis! Grafik lässt sich natürlich sehr viel leichter verkaufen, weil alle Leute sich das an die Wand hängen können. Ein Buch hingegen ist ein schmales Ding, es steht im Schrank, und kein Freund sieht es. Aber schon wenn man ein Buch in die Hand nimmt, es aufmacht – allein wie die Seiten fallen: Ein starkes Papier ist sperrig, ein anderes Papier fühlt sich an wie Stoff, oder auch Transparentpapier ... Ein Buch ist etwas für alle Sinne!
Interview: SABINE HANNO-WEBER

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»Manche Grossverleger träumen davon, wieder klein anzufangen«, meinte der Zürcher Verleger Peter Schifferli einmal. Wie sein Lehrmeister Jakob Hegner träumte er von der Einheit des literarisch und handwerklich gleichermassen vollkommenen Buches dessen Individualität sich der massenhaften Verbreitung widersetzt. Nicht nur gut, sondern vor allem auch zeitlos schön musste es sein.

Für den bibliophilen Ästheten des Buchdrucks Jakob Hegner war, so schien es mitunter, die äussere Form beinahe wichtiger als die Auswahl der Inhalte, und so mochte er sich nichts Schöneres vorstellen, als im Himmel einmal »eine gut eingerichtete Druckerei vorzufinden mit vielen alten Schriften, die noch keines Menschen Auge gesehen«. Ob dieser Traum in Erfüllung gegangen ist ? -

Vor kurzem konnte eine Verlegerin und Buchgestalterin ein Jubiläum feiern, deren zumeist mit eigener Hand gesetzte und von ihr selbst liebevoll und phantasiereich illustrierte Bücher nicht in Buchhandlungen, dafür aber in Ausstellungen und Museen zu sehen sind. 25 Jahre lang hat die von ihr begründete »Raamin-Presse« kostbare Unikate der Buchherstellung veröffentlicht: aufwendig gestaltete, meist wenig bekannte Texte der Weltliteratur in künstlerischer und buchtechnischer Vollendung. Die geringen Auflagen von nicht mehr als 150 Exemplaren erzielen gemeinhin ein Verkaufsergebnis, das »grosse« Verleger staunen lässt: sie sind wenige Tage nach ihrer Fertigstellung vergriffen und werden nie wieder aufgelegt. Eine Sammler-Gemeinde erwartet von Jahr zu Jahr das neueste Ergebnis aus ihrer Werkstatt - und achtet dabei auf alles andere mehr als auf den Preis. Der ist nicht eben niedrig, aber kurz nach Erscheinen steigt er auf dem Antiquariatsmarkt um ein Vielfaches. Viele der regelmässig (vom »Börsenverein des deutschen Buchhandels«) als »schönste Bücher des Jahres« ausgezeichneten Bücher entstammen der Werkstatt dieser 1949 in Zürich geborenen Buchkünstlerin, die seit ihrem Studium an der Hamburger Hochschule für bildende Künste beharrlich mit Schriften und Illustrationen, mit Materialien und Formaten experimentiert.

Die Herstellung ihrer Bücher- eines pro Jahr beansprucht einen Entstehungszeitraum von zwölf Monaten. Sie entstehen vor den eigenen, im Laufe von vielen Jahren aufgestöberten Regalen mit vor dem Einschmelzen geretteten Bleibuchstaben und am Graphiktisch ihrer pedantisch geordneten Werkstatt am Rande Hamburgs. Sie werden von dort aus verschickt oder von ungeduldigen Bibliomanen bei einer Vernissage in jedem November in Empfang genommen. Nur die Bindung erfolgt unter der Obhut des renommierten Buchbinders Christian Zwang. Inzwischen hat allerdings das jahrelange Stehen an den Setzkästen seinen gesundheitlichen Tribut gefordert. Seit kurzem hat die Leipziger Offizin Drugulin, wohl die exquisiteste unter den deutschen Handsetzereien, den Satz der Raamin-Bücher übernommen. Für die Verlegerin, die es gewohnt ist, die meisten Handgriffe der Buchherstellung selbst zu verantworten (den Versand eingeschlossen!),begann damit eine neue Ära, die es ihr erlaubt, sich noch stärker ihrer zweiten Leidenschaft zuzuwenden: dem Schreiben.

»Fünfundzwanzig Kunststücke sind es jetzt geworden«, meint Roswitha Quadflieg im Rückblick auf ihre Raamin-Presse, »sie zu planen und in »Szene zu setzen« waren fünfundzwanzig Jahre wert - was anderes hätte ich tun sollen in meinem Leben, mit Kopf und Herz und meinen beiden Händen?« - und verschweigt dabei, wie sehr aus der leidenschaftlichen Verlegerin und Buchgestalterin inzwischen auch eine respektable Autorin geworden ist. »Verleger sind nicht selten verhinderte Schreiber, während es Lektoren gibt, welche unter dem doppelten Kreuz leiden, sowohl verhinderte Verleger wie verhinderte Schreiber zu sein«, schrieb einmal Peter Schifferli, in dessen Arche-Verlag 1985 Roswitha Quadfliegs erste Erzählung erschien: »Der Tod meines Bruders«. Darin berichtete sie von der Konfron tation ihrer Familie mit den Folgen einer furchtbaren Tragödie.

Auch in den bibliophilen Kostbarkeiten der Raamin-Presse - u. a. Texte von Ror Wolf und Theodor Storm, von Kafka und Strindberg, von Johannes Bobrowski und Samuel Beckett, von Friedrich Hölderlin und Adelbert von Chamisso, von Goethe und Ivan Goll - hat sie sich bevorzugt mit Geschichten von Unterlegenen befasst. »Ich liebe Verlierer, weil sie die einzigen sind, die das verhängnisvolle Rad aufhalten werden. Weil sie für Gigantomanie und Allmachtsphantasien unempfänglich sind«, meint sie - und Verlierer sind es auch zumeist, die sie in ihren Romanen und Erzählungen mit zärtlicher Fürsorge be-, schreibt. Ihr jüngster Roman, »Bis dann«, eine traurigkomische Fabel von einem verbitterten, von der Familie in ein Seniorenheim abgeschobenen Journalisten, der sich in eine Traumwelt flüchtet und mit einem unbekannten jungen Mädchen einen hintergründigen Briefwechsel führt, wurde im vergangenen Jahr mit Martin Benrath in der Hauptrolle fürs Fernsehen verfilmt. Ein nächster Roman und ein neues Buch der RaaminPresse werden in diesem Jahr erscheinen.

Roswitha Quadflieg, die Zürcherin in Hamburg, entstammt einer berühmten Schauspielerfamilie, ist ihren Weg jedoch stets in respektvoller Distanz zum Theater und unter geradezu störrischer Vermeidung jedweder Protektion gegangen. 1973 war sie, begleitet von Warnungen ihrer Lehrmeister, »losgestürmt, ohne genau zu wissen, was eigentlich los war, und vor allem, wohin alles führen würde. Lediglich zwei Schriften in erbärmlichem Zustand, eine mich allein durch ihre Grösse erschreckende, Schmieröl ausdünstende und, wie sich später herausstellte, für meine Zwecke völlig ungeeignete Schnellpresse, ein paar Winkelhaken und drei verbeulte Satzschiffe nannte ich mein eigen.« Wenn das Geld mal knapp wurde, verdiente sie sich durch Illustrationsaufträge etwas hinzu - so tragen etwa alle Ausgaben von Michael Endes »Die Unendliche Geschichte« ihre filigrane Zeichen-Handschrift.

Die handwerkliche und ästhetische Qualität deutschsprachiger Bücher hat sich, nach Jahren einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber dem Formalen und allzu greller Werbesignale, wieder sichtbar gesteigert. Nicht zuletzt das buchkünstlerische Niveau der kleinen, erlesenen Handpressen, unter denen die Raamin-Presse einen vorderen Rang einnimmt, dürfte dazu das Seine beigetragen haben. »Buchkunst« hat wieder Konjunktur. Aber herstellende, zeichnende und schreibende Verleger(innen) sind selten anzutreffen. Zu Recht ist Roswitha Quadflieg gerade für ihre bisherige Arbeit mit einem Preis der Stadt Hamburg ausgezeichnet worden. Nicht nur die Gemeinde der Bibliophilen darf auf ihre nächsten Bücher gespannt sein - auch ihre Leser.

Matthias Wegner

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Roswitha Quadfliegs Traum.
Arbeit und Realität vom Buch in eigener, schöner Gestalt.

Rede von Gerhard Wolf, gehalten zur Eröffnung der Ausstellung
»Bücher und Bilder. Roswitha Quadflieg und die Raamin-Presse«
am 24. Mai 2002 in der Galerie Forum Amalienpark, Berlin

Sich mit der selbstgewählten gedruckten Schrift und dem aus dem Wort heraus entstehenden Bild das eigene, unverwechselbare Buch zu machen, das es sonst nicht noch einmal gibt - ist das Werk von Roswitha Quadflieg. Ein Werk aus der schöpferischen Verschmelzung geistiger Intention und Adaption aus vergangener und gegenwärtiger Literatur, die sie inspiriert - also Text - und der sinnlichen Veranschaulichung dieses Textes, also seiner Anverwandlung und Verwandlung ins Bild und als Ergebnis dieses Prozesses das entstehende selbst hervorgebrachte Buch: Arbeit und Kunst wie Kopf und Hand in einem Vollzug aus immaterieller Phantasie und körperlicher Tätigkeit. Hand und Kunst in dem Entwurf sie neu zueinander hervorzubringen. Das man einen ergriffenen Text nun mit anderen Augen sieht', ihn auch bildlich erlebt.
Aber was rede ich. Roswitha Quadflieg selbst hat in ihrem »Traumalphabet« - eine aktuelle Belebung des schönen Begriffs von der Bibliogenie – alles, was ich hier dazu sagen könnte, treffender und anschaulich-beispielhaft gestaltet. Bibliogenie - nach einem Zitat des weisen Georg Christoph Lichtenberg - als Lehre von der Entstehung des Buches und der Bücher verstanden, als Hymnus auf die Verfertigung des Papiers die Herstellung von Drucklettern und Bleisatz, vom Entwerfen der sich dazu einstellenden Bilder als Holzstich, Radierung aus der Metallplatte, Linolschnitt, Stiche aus dem modernen Kunstharz - und ihre Figurationen in den von ihr für den gewählten Text empfundenen Farben - Töne und Zwischentöne in einem lichten Blau und Grau, herbstliches Gelb und Grün, Adonisrot, und die so entstandenen Seiten aus handgeschöpftem Bütten zum Buch gebunden, edles Leder als Einband bevorzugt.
Wie gesagt, sie hat das nach jahrelang getaner Arbeit sorgsam und genau jetzt schon mit schriftstellerischer Ambition, eindringlich beschrieben, wie ich es nur in dürren, knappen Worten nachrühmen kann.
Roswitha Quadflieg, 1949 in Zürich aus einer inzwischen namhaften Künstlerfamilie geboren, ging ihre ganz eigenen Wege. An der Fachhochschule in Hamburg studierte sie Malerei, Graphik und Illustration mit dem Diplom als Designerin, danach an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg - und dort war es vor allem die Kunst und Geschichte der Typographie, die sie in Bann zog. Sie hat geschildert, wie die Künstler in ihren Atelierkellern freimütig und großzügig, sozusagen unbeschwert, verfuhren, während in der Werkstatt für die Umsetzung ihrer Entwürfe in Satz und Druck alles auf millimetergenaue Arbeit ankam: »Saubere Abzüge. Und um nichts mehr. Von der »hohen Schule« der Typographie wurde dort nichts erwähnt. »Handwerker« und »Künstler« gingen sich aus dem Wege und belächelten einander.« Und sie beschreibt, wie sie im letzten Studienjahr auf die Idee kam, das in beiden Werkstätten Erlernte zu verbinden. »Die Lehrer beider Werkstätten« - so war das damals - »schlossen für kurze Zeit Frieden miteinander und stellten meine ersten Ergebnisse während einer ersten internationalen Fachtagung im Herbst 1972 aus.« Ihr Kommentar: »Überraschendes Lob erreichte die ahnungslose Studentin. Ich begann Literatur zu entdecken, Literatur abzuschmecken auf ihre Bildfähigkeit.«
1973 erschienen die ersten Drucke ihres eigenen Druckhauses - die Raamin-Presse war geboren, mit ersten Büchern zu
Texten von Ror Wolf, Johannes Bobrowski; und die Raamin-Presse hat es inzwischen in fast dreißig Jahren auf 27 Drucke gebracht. Sie fanden ihre Kenner, Liebhaber, Käufer, so daß die Titel bis auf die drei letzten alle vergriffen sind. Die Raamin-Presse mit ihrem Sitz in Schenefeld bei Hamburg wurde für Sammler ein Begriff, und sie erhalten regelmäßig Roswitha Quadfliegs Nachrichten. Berühmte Häuser, wie die Sammlung der Kunst- und Malerbücher der weltbekannten Bibliothek in Wolfenbüttel, erwarben ihre Bücher. Sie hatten Ausstellungen an renommierten Orten, 1998 in der Leipziger Stadtbibliothek zur Zeit der Buchmesse, wo wir uns immer wieder trafen.
Warum habe ich über Werden und Wachsen von Roswitha Quadfliegs Drucken gesprochen? Weil sich für mich mit ihnen etwas verbindet, das man sonst - es gibt ja zahlreiche Büchermacher von Qualität - kaum noch findet: Ein Werk gewachsen aus dem Zusammentreffen von Tradition und Moderne von seltener Konsequenz. Roswitha Quadflieg hat alte Bleisätze und Lettern gerettet und dem Vergessen entrissen - sie spricht von etwa 60 Schrifttypen in ihrem Archiv, mit Namen, die selbst Leute vom Fach kaum noch kennen. Und aus der Verschmelzung von altem Handwerk und der Wiederbelebung dieser Schriften im Zusammentreffen mit klassischen Texten - Shakespeares »Venus und Adonis«, zum Beispiel, oder aus der Konfrontation des Volksbuches vom »Faust« mit Goethes genialer Adaption - gewinnt sie ihre Bücher. Auch aus dem unmittelbaren Zusammenstoß dieser Schriften seit Gutenberg mit modernen Texten und ihnen entsprechenden heutigen Verfahren entstehen sie. Für mich ein erstaunliches Abenteuer, Gedichte des späten Hölderlin - Scardanelli - oder von Novalis, Prosa von Beckett und Enzensberger, gesehen durch Roswitha Quadfliegs Augen, verwandelt durch ihre Hände, nun auch anders und neu zu sehen und zu lesen; Dimensionen zu entdecken, die einem bisher verborgen waren (wer weiß schon, daß Goethe einen Text zu Mozarts Zauberflöte hinterließ?). Und ich weiß, und der Erfolg ihrer Drucke beweist es, daß es anderen Betrachtern auch so geht.
Ich danke Roswitha Quadflieg für das Wagnis und die Ausdauer an dieser, man muß es bald so nennen, Lebensarbeit im Dienste von Handwerk und Kunst, Arbeit am Buch, nicht als Massenware, sondern als Solitär-Druck, wie ich fürchte eine bedrohte, wenn nicht gar aussterbende Art; ihr Tun ein Metier am Rande aber wer weiß?
Ich freue mich also, sie mit ihren Büchern hier zu haben - die Druckseiten ausgebreitet - auch wie sie aus Probedrucken entstehen bis zum gültigen Resultat - mit Schrift und Graphik nun an den Wänden' auch in ihnen zu blättern, sie zu kaufen – kurz gesagt: Ein Einblick - soweit das eine Ausstellung in diesem Rahmen vermag - in ihre Werkstatt in Schenefeld aus Traumalphabet und Lebensrealität eines arbeitsreichen Daseins für ihre Kunst und damit für uns.

 

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